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Peloponnesischer Krieg: Blutbad auf der Insel

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Im 5. Jahrhundert v. Chr. ringen in Griechenland Athen und Sparta mit ihren jeweiligen Verbündeten um die Vormacht. Fast 30 Jahre währt der "Peloponnesische Krieg" zwischen den beiden höchst unterschiedlichen Stadtstaaten, von denen der eine für die Demokratie, der andere für die Oligarchie eintritt – und er tobt nicht nur zwischen ihren Streitkräften zu Land und zu Wasser, sondern beschwört in vielen kleineren Poleis blutige Bürgerkriege herauf. Besonders schlimm trifft es Korfu, griechisch: Kerkyra.


Host und Redaktion: Insa Bethke (GEO EPOCHE)

Gast: Katrin Maike Sedlmair

Sprecher: Peter Kaempfe

Produktion: Andolin Sonnen (RTL+)

 

Die GEO EPOCHE-Ausgabe "Athen gegen Sparta" könnt ihr hier bestellen:

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In vielen Stadtstaaten befeuert der Peloponnesische Krieg brutale innere Kämpfe,

kommt es zu grauenhaften Szenen.

Besonders schlimm trifft es Korfu, griechisch Kerkira.

Verbrechen der Vergangenheit. Ein Crime-Podcast von GEO Epoche und RTL+.

Hallo, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Verbrechen der Vergangenheit,

dem Podcast von Geo Epoche über die dunkle Seite des Menschen und der Macht.

Wir haben diesmal ein Thema aus unserer neuesten Ausgabe mitgebracht,

in der geht es um den Peloponesischen Krieg im 5.

Jahrhundert vor Christus in Griechenland. Und wem das jetzt gar nichts sagt,

der Peloponnesische Krieg, das war der wohl größte militärische Konflikt,

den es bis dahin in der antiken Welt gegeben hatte.

Wir geben hier einen kleinen Überblick gleich natürlich, aber der Titel der

neuen Ausgabe von Geo Epoche, der verrät schon, wer sich da gegenüber stand.

Athen gegen Sparta heißt sie. Schaut gern im Kiosk oder am Bahnhof oder wo auch

immer gern mal rein oder auch auf Geo Epoche Plus.

Da gibt es das ganze Heft digital und da wir schon mal dabei sind und weil ihr

ja ganz klar gerne Geo Epoche hört, kann ich schon mal verraten,

dass es demnächst die gesamte Ausgabe Athen gegen Sparta auch als Audioangebot geben wird.

Also das ist das erste Mal, dass wir das machen. Eine ganze Geo-Epoche-Ausgabe zum Hören.

Die könnt ihr dann auf Geo-Plus und Geo-Epoche-Plus hören. Wenn es soweit ist,

erinnern wir euch hier nochmal daran.

So und jetzt kommen wir zu den wichtigsten Protagonisten des Peloponnesischen Krieges.

Also auf der einen Seite das legendäre Sparta und auf der anderen Seite Athen.

Berühmt als Wiege der Demokratie und natürlich naheliegend auch für die Akropolis.

Ist ja wohl das Wahrzeichen von Athen.

Übrigens nach 200 Jahren ist man gerade mit der Restaurierung der Westfassade

der Akropolis fertig geworden.

Fragt mich nicht, was das für den Gesamtbau bedeutet, falls da noch anderes zu restaurieren ist.

Wir gehen jetzt auf jeden Fall nach Athen, nach Griechenland,

ins 5. Jahrhundert vor Christus. Und mir gegenüber sitzt Katrin Meike Sedlmayr,

die die Geschichte dieser Folge recherchiert und geschrieben hat.

Und dann natürlich sich da auch allgemein befasst hat, was damals los war in

Griechenland, warum es zu diesem Krieg kommen konnte. Hallo Katrin,

schön, dass du da bist. Hallo Insa.

Also schauen wir auf Athen und Sparta im 5. Jahrhundert vor Christus.

Wie kommt es dazu, dass diese beiden Mächte sich derart ineinander verhakelt

haben, dass da am Ende ein äußerst brutaler, wie wir gleich ganz genau erfahren

werden, fast 30-jähriger Krieg steht?

Ja, um die Ursachen zu verstehen, schauen wir uns vielleicht erstmal die damalige

Lebenswelt der Griechen genauer an. Und das heißt, wir bewegen uns da in der

Welt der Polais, der Stadtstaaten.

Griechenland ist nämlich im 5. Jahrhundert vor Christus kein geeinter Staat,

sondern eine Landschaft aus Jahrhunderten von solchen Stadtstaaten.

Und jede Polis, das ist der bekanntere Singular von Polis, bestand im Wesentlichen

aus einem urbanen Zentrum mit den Wohngebäuden und dem zentralen Marktplatz, der Agora.

Also die war ja der Mittelpunkt für das wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Leben.

Und dann gab es meist noch landwirtschaftliche Flächen und Dörfer im direkten

Umland. Jede Polis hatte ihre eigenen Gesetze, eine eigene Regierungsform und eine eigene Armee.

Ja, aber wichtig zu sagen ist auch, dass es auch ganz viele Gemeinsamkeiten gab.

Ja, das stimmt. Also sie sind durch die Sprache miteinander verbunden.

Also alle Einwohner der Polys sprechen Dialekte des Griechischen.

Sie glauben auch an dieselben Gottheiten und praktizieren auch ähnliche religiöse Kulthandlungen.

Und trotzdem kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen den Stadtstaaten,

also etwa um regionale Vormacht oder die Kontrolle über Seewege und Handelsräume zu gewinnen.

Weil eine einzelne Polis oft zu klein ist, um sich gegen die anderen ausreichend

zu verteidigen, schließen sie sich auch oft zu Schutzbündnissen zusammen.

Ja und da kommen jetzt Sparta und Athen ins Spiel. Das sind nämlich die zwei

großen Hegemonialmächte in diesem System im 5.

Jahrhundert, die dann ja später, das wissen wir jetzt, im Peloponnesischen Krieg

aufeinandertreffen werden. Ja genau, also Athen und Sparta sind im 5.

Jahrhundert die führenden Mächte in diesem Geflecht.

Beide scharen jeweils ein Bündnissystem um sich. Also Sparta ist dabei etwas früher dran als Athen.

Das führt schon im 6. Jahrhundert den sogenannten Peloponnesischen Bund,

der Sparta die Kontrolle über die Halbinsel Peloponnes sichert.

Vielleicht müssen wir das hier einmal kurz sagen, die liegt ja ganz im Süden der Balkanhalbinsel.

Das ist diese Halbinsel, die ein bisschen auf der Karte wie eine Hand aussieht.

Athen liegt etwa 200 Kilometer östlich davon und der Krieg, um den es hier geht,

also der Peloponnesische Krieg, Der ist übrigens nicht direkt nach der Halbinsel

benannt, sondern eben nach diesem Peloponnesischen Bund.

Ja und ich glaube, wir müssen einmal betonen, Sparta schafft diesen Bund nicht

etwa, um damit irgendwie andere externe Mächte anzugreifen, zu expandieren sozusagen,

sondern es geht eigentlich einfach um innere Sicherheit, kann man vielleicht so nennen.

Ja genau, das kann man sagen. Also diese Allianz schützt Sparta vor Angreifern,

vor allem aber gegen Aufstände der Heloten.

Das sind die Staatssklaven von,

Sparta und eigentlich die Basis, die stellen die Basis für die gesamte spartanische

Wirtschaft, also die werden hauptsächlich in der Feldarbeit eingesetzt und die

bilden tatsächlich bezogen auf die Gesamteinwohnerzahl Spartas die absolute Mehrheit.

Also auf einen Spartiaten, so wurden die Vollbürger Spartas damals genannt,

kamen schätzungsweise zwischen 10 und 20 Heloten, also unfreie Sparta.

Und dass die gegen ihre Unterdrücker aufbegehren, das war immer eine Gefahr für Sparta.

464 vor Christus kommt es dann beispielsweise zu so einem Aufstand und da griffen

dann auch Spartas Verbündete ein und konnten diesen Aufstand letztendlich niederschlagen.

Ja, kann man auch in der neuen Geopoche-Ausgabe übrigens nachlesen.

Also Sparta hat seinen Peloponesischen Bund und jetzt gucken wir mal auf Athen.

Das hat sich dann ja im Laufe der Zeit ein eigenes Bündnissystem geschafft und

zwar den sogenannten Attischen Seebund.

Richtig, dieser Bund entsteht, nachdem sie, also Sparta und Athen und noch einige

weitere Proleys natürlich gemeinsam die Perser abgewährt haben,

die Griechenland erobern wollten.

Das waren die sogenannten Perserkriege. Einigen ist da vielleicht noch die legendäre

Schlacht bei den Thermopölen 480 vor Christus bekannt,

bei der sich angeblich 300 Spartaner todesmutig einer persischen Übermacht stellten.

Ja, die ist in der Tat legendär, aber auch sehr mythisch überhöht,

muss man sagen, wie so vieles rund um das Thema Sparta. Dazu kommen wir gleich nochmal, glaube ich.

Zurück zum Attischen Seebund, Katrin. Genau, also wie eben bereits erwähnt,

entsteht der ja nach dem Sieg über die Perser 477 vor Christus.

Und zunächst ist das ein dauerhafter Seebund zum Schutz der einzelnen Städte,

also zur Abwehr von Angreifern, also besonders den Persern, denn mit deren Angriffen.

Musste man ja immer noch rechnen. Aber relativ schnell wird aus diesem Schutzbündnis

auch ein Instrument Athens, um seine Machtstellung innerhalb der griechischen

Stadtstaatenwelt weiter auszubauen.

Also die Verbündeten müssen jetzt Tribute zahlen.

Athen kontrolliert die Flotte, unterdrückt Austrittsversuche und hat durchaus auch imperiale Ziele.

Also es kontrolliert bald die gesamte Ägäis, kann man sagen.

Also Athen dehnt seinen Herrschaftsbereich immer stärker aus und ist dabei durchaus

aggressiv unterwegs und damit gibt es jetzt erstmals eine zweite Vormacht in

Griechenland neben Sparta.

Das stimmt und gleichzeitig bleibt Sparta mit dem Peloponnesischen Bund aber

die dominierende Kraft auf der Peloponnes.

Also verkürzt gesagt, wir haben also mit Sparta jetzt eine Landmacht und mit

Athen eine Seemacht, die ihren Einflussbereich immer mehr ausbaut.

Und mit der Zeit greift Athen auch in Konflikte in Mittelgriechenland ein,

also unterstützt etwa Gegner Spartas bei Konflikten.

Das sind zunächst nicht um ihn Kriegsauslösende Ereignisse, aber sie schaffen

doch eine strukturelle Rivalität zwischen diesen beiden Hegemonialmächten.

Ja und sie rivalisieren eben nicht nur sozusagen machtpolitisch,

sondern sie sind auch im Innern ziemlich unterschiedlich gestrickt.

Allein schon die Regierungsform von Athen und Sparta, die unterscheiden sich grundlegend.

In der Tat. Also Athen hat schon im 6. Jahrhundert eine weit ausgebaute Bürgerdemokratie

mit Volksversammlungen, einem.

Sogenannten Rat der 500 und zahlreichen Ämtern entwickelt, die es den freien

männlichen Bürgern der Stadt weitestgehend ermöglicht, an politischen Entscheidungen mitzuwirken.

Die berühmte erste Demokratie der Welt, genau.

Interessant finde ich die Motivation, mit der sie geschaffen wurde.

Athen war ja, um sein Seereich bauen zu können, auf Ruderer und Seeleute angewiesen,

also auf die harte, gefährliche Arbeit von Seeleuten.

Um sie an sich zu binden, um sie sozusagen auch für diesen Einsatz zu entlohnen,

hat man sie an der Macht beteiligt, hat ihnen politische Rechte gegeben. Das ist sehr spannend.

Der Althistoriker Raimund Schulz, der spricht darüber in dem Interview,

das wir für die Geo-Epoche-Ausgabe Athen gegen Sparta mit ihm geführt haben.

Wen das interessiert, schaut da gerne mal rein.

Und Athen hat eben die Demokratie nicht nur für sich neu eingeführt,

sondern es hat dann dieses politische System auch in seinem Seereich verbreitet,

was auch eine Relevanz für den Konflikt mit Sparta hatte.

Genau, also das kann man so sagen. Natürlich muss man da mit Vergleichen vorsichtig

sein. Nämlich mit unserer modernen Demokratie hat die attische Demokratie nicht

so wahnsinnig viel gemein.

In Athen werden damals zum Beispiel

öffentliche Ämter nicht durch Wahlen besetzt, sondern durch das Los.

Dazu waren auch viele Bevölkerungsgruppen von den politischen Rechten ausgeschlossen,

Sklaven natürlich, aber auch Frauen.

Und es gab auch keine klar ausgearbeitete Gewaltenteilung, wie wir das heute kennen.

Ja, das stimmt. Schwenken wir jetzt aber mal zu Sparta. Das war von demokratischen

Verhältnissen, wie wir sie heute kennen, noch viel weiter entfernt.

Ja, Sparta ist stark oligarchisch-aristokratisch geprägt.

Also es gibt zwei Könige, die sind jeweils vor allem für die militärische Führung

und bestimmte religiöse Aktivitäten verantwortlich und daneben,

existiert ein Ältestenrat, also in dem sind einmal 28 Spatiaten, die über 60 Jahre sind,

und dazu noch die beiden Könige, also insgesamt hat dieser Ältestenrat 30 Mitglieder.

Und alle anderen männlichen Vollbürger sind zwar formell Mitglieder einer Volksversammlung,

die über die vom Ältestenrat eingereichten Beschlüsse abstimmen kann,

aber ihr Einfluss ist begrenzt.

Also die Volksversammlung kann zwar über die Beschlüsse des Ältestenrates abstimmen,

aber sie können nur zustimmen oder ablehnen. Also sie dürfen keine eigenen Entwürfe

formulieren zum Beispiel.

Auch gehört in Sparta nur eine Elite zu diesen Vollbürgern, den sogenannten.

Spartiaten, die hatte ich ja vorhin schon einmal erwähnt.

Voraussetzung, um ein Vollbürger in Sparta zu sein, ist nämlich,

dass man Land besitzt und eine militärische Vollausbildung absolviert hat, die sogenannte Agoge.

Also zusammenfassend kann man sagen, Sparta wird also anders als Athen nur von

einem kleinen Teil der Bevölkerung regiert.

Jetzt hast du das Stichwort Militär geliefert. Da sind wir ja bei Spartas legendärem

Ruf als Kriegerstaat. Also ein Staat, der seine männliche Bevölkerung auf die

härteste Tour für den Krieg ausbildet und drillt. Also in der Tat.

Sparta kann man durchaus als einen Militärstaat bezeichnen. Also das gesamte

Leben der männlichen Spartiaten ist eigentlich auf das Leben im Krieg ausgerichtet.

Man muss aber auch sagen, dass das Soldatentum eigentlich in jeder Polis damals

Normalzustand ist. Also es gibt damals keinen griechischen Stadtstaat,

in dem ein Bürger nicht bereit dazu wäre, seine Polis zu verteidigen.

Aber in Sparta hat dieses Kriegerleben schon ein, man kann sagen, besonderes Ausmaß.

Oder man kann es vielleicht lapidar so ausdrücken, Sparta ist,

was seine Kriegsausbildung betrifft, besonders professionell.

Die Jungen werden beispielsweise mit sieben Jahren aus den Familien genommen

und dann beginnt auch schon ihre Ausbildung zum gehorsamen Bürgersoldaten,

die eben erwähnte Agoge.

Sie müssen sich zum Beispiel im Ring üben, im Umgang mit Waffen und vor allem

aber lernen sie absoluten Gehorsam. Also ein spartanischer Kämpfer muss Befehle

ohne Widerspruch ausführen.

Wer sich dagegen auflehnt, wird sofort körperlich bestraft. Ist sehr früh damit

zu beginnen sozusagen, aber grundsätzlich klingt das jetzt nicht nach einem

Alleinstellungsmerkmal. Diskutiert wird ja beim Militär grundsätzlich eher nicht,

würde ich so als Laien denken.

Das stimmt, aber es ist halt auch immer die Frage, wie strikt das dann durchgezogen

wird. Also als Beispiel bei der Bundeswehr geht das jetzt zum Beispiel nicht

so streng zu, habe ich mir zumindest sagen lassen.

Auf jeden Fall ist aber der Alltag in Sparta auch ganz besonders auf diese eiserne

Disziplin ausgerichtet. Also dafür ist Sparta ja auch noch heute bekannt.

Wir kennen wahrscheinlich alle den Begriff Spartanisch, den gebraucht man ja

gemeinhin, um Umstände zu beschreiben, die...

Ja, von Einfachheit und nicht von Luxus und Komfort geprägt sind.

Gerne beim Einrichtungsstil verwendet?

Genau. Oder spartanisches Essen. Und das geht natürlich auf die Lebensweise der Spartaner zurück.

Und schon antike Autoren beschrieben die Spartaner als Menschen,

die auf Luxus verzichteten, die Disziplin und Selbstbeherrschung schätzten und,

körperliche Härte als Tugend betrachteten.

Und heute wissen wir aber auch, dass vieles an diesem Mythos sehr übertrieben wurde.

Ja, zum Beispiel, du hast ihn eben schon angesprochen, der sogenannte Leonidas-Mythos,

der bildete sich nach der Schlacht bei den Thermopylen 480 vor Christus,

als eben der spartanische König Leonidas I.

Mit einem kleinen Kontingent an Kriegern eine persische Übermacht stellte und

bis zum Tode die Heimat verteidigt hat.

Ja, besonders dieser Mythos hat das Bild der spartanischen Soldaten,

also die furchtlos in den Krieg ziehen und bis zum Tod kämpfen und selbst in

ausweglosen Situationen ja nicht aufgeben.

Also noch einmal sehr stark befeuert. Bis heute eigentlich, also 2006,

kam ja der Hollywood-Streifen 300 in die Kinos. Also den haben bestimmt einige gesehen.

Da wurde aber natürlich sehr stark übertrieben. Und letztlich gehen Wissenschaftler

davon aus, dass sich Sparta in seinem Kriegshandwerk nicht so stark von anderen

Poleis unterschieden hat.

Nur vielleicht manchmal etwas konsequenter aufgetreten ist. Ja,

die Sparta-Mythen sind auch ein Thema, über das wir mit Raimund Schulz für das Heft gesprochen haben.

Jetzt kommen wir aber nochmal zum Peloponnesischen Krieg zurück.

Wir haben da jetzt also die beiden Kontrahenten Sparta und Athen.

Beide versuchen mit ihren jeweiligen Bündnissen ihren Machtbereich zu schützen,

zum Teil auch weiter auszubauen, gilt besonders für Athen.

Und dabei steuern sie nun auf eine große Konfrontation zu.

Wir haben das ja eben schon angedeutet, also der Krieg ist letztlich das Ergebnis

eines längeren Prozesses von Konkurrenz und Misstrauen und der Eskalation zwischen

den zwei Hegemonialmächten Athen und Sparta. Und das ist ja auch ein bisschen das Ergebnis.

Es gibt auch schon vor dem Krieg, um den es hier geht, einen Konflikt,

den bezeichnen manche auch als den Ersten Peloponnesischen Krieg.

Ja, das sind sozusagen die längerfristigen Ursachen des Krieges zu unterscheiden von den Auslösern.

So hat das ja auch der berühmte Chronist des Krieges, Tukididis, erkannt und benannt.

Also Tukididis, der sieht einen dieser Anlässe zum Beispiel in einem Konflikt

um Korinths Kolonie Kerkira, um die es auch gleich in der Geschichte gehen wird.

Korfu heute, muss man sagen. Genau. Aber wie gesagt, die eigentliche Ursache,

die sieht Tukidides in der Furcht Spaters vor dem Wachstum der athenischen Macht.

Der wirklich letzte Funken aber, der dann 431 zum Krieg führt,

ist dann tatsächlich gar kein direkter Streit zwischen Athen und Spater,

sondern einer zwischen zwei ihrer Verbündeten. Ja, das ist nicht ganz unkompliziert.

Kleine Warnung, wir liefern hier mal nur eine grobe Zusammenfassung.

Wer es genauer wissen will, das kann man eben auch in unserer neuen Ausgabe

nachlesen. Katrin, wir schauen, dass wir das jetzt einmal ganz kurz und einfach aufdröseln.

Okay, also 431 vor Christus, da geraten zwei dieser kleineren Stadtstaaten heftig aneinander.

Und zwar greifen Kämpfer der Stadt Theben, die steht damals auf der Seite Spartas.

Und auch großer Konkurrent Athens damals. Genau, die greifen eine mit Athen verbündete Polis an.

Das ist Plataiai in Mittelgriechenland und diese Aktion geht aber total schief.

Also die Leute in Plataiai, die wehren sich und töten ihrerseits die Einbringlinge.

Und zwar in Scharen, muss man sagen. Es gibt also eine Massenexekution,

die sehr einschneidend ist für die Griechen, denn sie bedeutet einen Bruch mit

allen Normen, mit denen bisher in Griechenland Feinde behandelt werden sollten.

Sparta ruft nun seine Verbündeten zu den Waffen und zwei Monate später marschiert

dann ein gewaltiges Aufgebot an Soldaten des Peloponnesischen Bundes in Attika

ein, also den Teil Griechenlands, in dem Athen liegt.

Und damit beginnt jetzt der Krieg zwischen diesen beiden Mächten und der dauert,

unterbrochen von der Friedensphase zwar, aber letztlich 27 lange Jahre und ist, ich wiederhole mich,

was ich vorhin am Anfang gesagt habe, das größte militärische Ring,

das es wohl bis dahin in der Antike gegeben hat.

Aber dieser Zweikampf zwischen Athen und Sparta, der ist nicht alles.

Wir werden gleich in deiner Geschichte, Katrin, noch von einem anderen Phänomen

dieses Krieges hören. Und das ist der Bürgerkrieg, der daraus resultiert.

Und der findet eben bis in die Städte und Dörfer statt.

Genau, das ist ein Punkt, den bereits Tukididis betont. Denn der Krieg zwischen

Athen und Sparta ist letztlich auch der Nährboden für Bürgerkriege.

Also die Rivalität zwischen Athen und Sparta wird in viele Poleis hineingetragen

und jede größere Stadt hat damals politische Fraktionen, die eher pro-athenisch

und pro-spartanisch sind, grob gesagt.

Also wir haben hier eine Situation Demokratie versus Oligarchie.

Ja, also es geht um auch einen Kampf der politischen Systeme sozusagen.

Und ja, diese Gräben, die es da politisch auch schon vorgegeben hat,

die vertieft dieser Krieg nun. Genau, also Bürgerschaften spalten sich in verfeindete

Gruppen. Es kommt zu Ausschreitungen bis hin zu Gewalt, Vertreibungen und schrecklichen Massakern.

Und das wohl bekannteste Beispiel, das Tokiti das schildert,

ist der Konflikt auf Kerkira.

Dort eskaliert ein lokaler Konflikt zu einem besonders brutalen Bürgerkrieg

mit massenhaften Tötungen und Racheaktionen. Und man kann sagen,

der Krieg zwischen Athen und Sparta wird hier zu einem Katalysator der Gewalt.

Ja, und was das für die Menschen dort bedeutet, das hören wir jetzt in der Geschichte,

die du darüber geschrieben hast. Vielen Dank, dass du da warst.

Blutbad auf der Insel, eine historische

Reportage von Katrin-Michael Sedelmeier. Es liest Peter Kämpfe.

Kerkera im Sommer 427 v. Chr.

Als draußen das Gemetzel beginnt, wissen die Menschen im Heiligtum der Hera,

sie werden die Nächsten sein.

Voller Entsetzen blicken sie durch die Begrenzung der geweihten Städte,

sehen die Klingen aufblitzen, das Blut ihrer Gefährten fließen,

hören vermutlich deren gellende Schreie.

Noch kurz zuvor haben die Männer, die nun vor ihren Augen zusammenbrechen,

gemeinsam mit ihnen im Heraion Schutz gesucht, dem Gelände um den Tempel der

Göttermutter auf der Insel Karkira.

Tagelang haben sie in der Anlage nahe dem Ufer des Ionischen Meeres ausgeharrt,

auf Hilfe aus ihrer verzweifelten Lage gehofft.

Jetzt sterben sie vor den Toren des Heiligtums, liegen ihre blutüberströmten

Körper reglos auf dem Boden.

Die Eingeschlossenen im Heraion,

wohl einige Hundert noch, mögen in diesen Momenten Todesängste erleiden.

Wahrscheinlich packt sie auch die Wut auf die Mörder ihrer Schicksalsgenossen.

Vielleicht aber stellen sie sich zugleich immer wieder die eine Frage,

wie konnte es so weit kommen, dass Kerkereer andere Kerkereer niedermetzeln?

Denn die Schlechter, die nun einen Mann nach dem anderen niedermachen,

sind keine feindlichen Soldaten,

keine Eroberer aus Athen, Sparta oder Korinth, sondern Mitbürger der dem Tode

verfallenen, einstige Nachbarn, Freunde, Geschäftspartner womöglich.

Wohl nur wenige Wochen oder Monate trennen den mehr oder weniger friedlichen

Alltag auf Kerkira von dem gnadenlosen Brudermord.

Eine kurze Zeitspanne, in der ein stetig schwelender Zwist zwischen zwei politischen

Gruppen zu einem blutigen Bürgerkrieg eskaliert ist.

Die wenigen, griechisch Oligoi, die Verfechter einer aristokratischen Herrschaft

der führenden eingesessenen Familien, auch Oligarchie genannt,

und das Volk, griechisch Demos, die Anhänger der Demokratie,

die der gesamten Bürgerschaft größere politische Teilhabe einräumt,

sind zu unerbittlichen Feinden geworden.

Die Menschen im Heraion wissen um ihre eigene Verantwortung für diese Explosion der Gewalt.

Sie selbst haben die Kämpfe auf der Mittelmeerinsel begonnen,

haben als Vertreter der Oligarchie wenige Wochen zuvor 60 unbewaffnete Anhänger

der Gegenseite gemeuchelt.

Doch nie hätte dieser Konflikt zu einem Blutbad führen können,

wie es sich jetzt vor ihren Augen vollzieht,

wenn er nicht Teil eines weitaus größeren Kampfes wäre, des epochalen Ringens

zwischen Athen und Sparta,

um die Vorherrschaft in Griechenland und im Peloponnesischen Krieg.

So wütete also Zwietracht in allen Städten.

Und die, die vielleicht erst später davon ergriffen wurden, überboten jene auf

die Kunde von dem bereits Geschehenen noch bei Weitem durch ihren bisher ungeahnten

Scharfsinn in Anschlägen und maßloser Rache.

Tukididis, der Mann, der diese Worte schreibt, ist der größte Kenner und wichtigste

Chronist jenes Krieges, der seit 431 v. Chr. tobt.

Ihn interessiert nicht nur das militärische Geschehen, sondern auch die Frage,

was eine solche Ausnahmesituation mit dem Menschen macht.

Antworten findet er nicht auf den Schlachtfeldern, sondern in den zahlreichen

Polis, den Stadtstaaten Griechenlands, auf den Straßen und Plätzen ihrer Hauptorte.

Dort kämpfen nicht Armeen verfeindeter Staatswesen gegeneinander,

sondern Mitglieder derselben Gemeinde.

Der allgegenwärtige Bürgerkrieg im Krieg, er bringt die schlimmsten Gräuel,

die abscheulichsten Verbrechen des großen Konflikts hervor.

Und wo nirgendwo tobt die Stasis, wie die antiken griechischen Autoren den inneren

Kampf in ihren Städten bezeichnen, heftiger als auf Kerkira.

Die 62 Kilometer lange Insel, ab dem Mittelalter im westlichen Europa Korfu genannt,

im Nordwesten Griechenlands vor der Küste des heutigen Albaniens gelegen und

nur rund 100 Kilometer vom italienischen Festland entfernt und vor allem ihr

gleichnamiger Hauptort werden 427 v. Chr.

Zum Schauplatz brutaler Gewalttaten, deren Vorgeschichte und Verlauf Tukididis

in seinem Werk über den Pelopolisischen Krieg so eindringlich schildert wie

kaum eine andere Episode des Konflikts.

In jenem Jahr kommt es nicht zum ersten Mal zu dramatischen Ereignissen auf Kerkira.

Schon sechs Jahre zuvor, im Sommer 433 vor Christus, ist die Insel Polis,

einst als korinthische Kolonie gegründet, in den Streit zwischen den Machtblöcken verwickelt,

die bald darauf im Peloponesischen Krieg aufeinandertreffen werden.

Sie führt damals einen Kampf zur See mit der Mutterstadt um die Vorherrschaft im Ionischen Meer.

Als Korinth deshalb seine Flotte massiv aufrüstet, wendet sich Karkira an Athen,

und schließt ein Defensivbündnis mit der attischen Großmacht.

Die hegt ohnehin eine alte Rivalität mit Korinth um die maritime Dominanz unter

den Griechen, hat zudem Interesse an der Insel im Ionischen Meer,

um sie als Basis für künftige Operationen zu nutzen.

Korinth muss den Versuch, mit einer verstärkten Flotte Kerkira zu erobern,

aufgrund des athenischen Beistands aufgeben.

Und drängt fortan Sparta, Oberhaupt des Peloponesischen Bundes,

dem Korinth auch selbst angehört, zum Krieg mit dem großen Gegenspieler Athen.

Nun, im fünften Jahr des Peloponesischen Krieges ist Kerkira zwar weiterhin

mit Athen alliiert, doch bislang nicht in die Kämpfe verwickelt.

Dafür aber ist die Bürgerschaft auf der Insel gespalten, haben sich wie an vielen

Orten Griechenlands zwei verfeindete Parteien herausgebildet.

Die Unterstützer der Demokratie streben ein vertieftes Bündnis mit Athen an.

Ihre der oligarchischen Herrschaft zuneigenden Opponenten wollen Kerkira dem

Einfluss der attischen Vormacht entziehen.

Einstweilen ist das Kräfteverhältnis zwischen den Parteien offenbar ausgeglichen,

doch ausgerechnet eine List des vorherigen Kriegsgegners Korinth bringt diese

labile Situation ins Wanken.

Während der Kämpfe im Jahr 433 v. Chr. haben die Korinther unter den Kerkereern

rund 1000 Kriegsgefangene gemacht.

Die meisten sind Sklaven. Den etwa 250 freien Bürgern, darunter überwiegend

Vermögende und einflussreiche Männer, gestatten sie nun die Rückkehr auf ihre Heimatinsel.

Doch im Gegenzug für ihre Freilassung, so schildert es Tukididis,

haben die Kerkereer geloben müssen, alles zu tun, um ihre Polis aus dem Bund

mit Athen zu lösen und auf die Seite Korinz zu bringen.

Zurück in der Heimat werden die freigelassenen, längst wohl wirkliche Gegner

Athens, sogleich aktiv, versuchen möglichst viele Bürger von ihren Zielen zu überzeugen.

Mit einem ersten Teilerfolg.

Das Defensivbündnis mit Athen, beschließen

die Kerkeräer wohl auf einer Volksversammlung, soll bestehen bleiben.

Doch wollen sie fortan auch mit Korinth und Sparta gute Beziehungen unterhalten.

Als nächstes zerren die Vertreter der oligarchischen Partei einen führenden

Demokraten und Athenfreund namens Paitias vor Gericht.

Dieser, so der Vorwurf, wolle die Polis auf hochverräterische Weise unter das Joch Athens bringen.

Das zuständige Gremium aber, vermutlich der Rat, dem auch er selbst angehört, spricht Peitjas frei.

Er versucht nun seinerseits, einige seiner Gegner mit einer Gegenklage zu ruinieren.

Die Männer erhalten extrem hohe Geldstrafen. Eine Ratenzahlung wird ihnen verweigert.

Zudem erfährt ihre Partei davon, dass Paitias die Volksversammlung dazu bringen

will, ein neues, sehr viel engeres Bündnis mit Athen zu beschließen.

Mit diesem Vorstoß betreibt er jedoch sein eigenes Todesurteil.

Wohl bald darauf dringen Anhänger der Oligarchie mit Dolchen unter dem Gewand

in das Gebäude ein, in dem der Rat tagt, bei der Agora, dem zentralen Versammlungs- und Marktplatz.

Dort töten sie Paitias und mit ihm rund 60 weitere Männer.

Der blutige Reigen des Mordens auf Kerkira ist eröffnet.

Warum die Männer sich für die Gewalt entscheiden, was sie zu solch blutiger

Tat fähig macht, man kann es nur erahnen.

Tukididis schreibt dazu in seinem Werk über den Peloponnesischen Krieg,

es sei das Wesen des Menschen, sich unter den Bedingungen des Krieges über alle

zuvor geltenden Werte und Regeln hinwegzusetzen.

Die jeweiligen Parteien in den Städten aber, verfangen in ihrem Ringen auf jede

Art, den anderen zu überbieten, erkühnten sich zu den verwegensten Taten,

und übersteigerten dann noch ihre Rache.

Für Tokididis ist es nicht allein die politische Zwietracht,

die auf Karkira und den vielen anderen griechischen Polis die Gewalt explodieren lässt,

einen Kreislauf von Rache und Gegenrache anstößt, der die verfeindeten Seiten

zu immer neuen Bluttaten treibt.

Die eigentliche Ursache für die Enthemmung sieht er im Kampf der Großmächte

Sparta und Athen, der mehr oder weniger stark auch alle anderen Staatswesen

Griechenlands beeinflusst, gerade auch Kerkira.

Beide Kontrahenten hätten die Insel nämlich gern unter ihrer Hand.

Liegt sie doch in strategisch bedeutsamer Position am Weg zum italienischen

Festland und nach Sizilien?

Könnte Athen sie zudem für Flottenoperationen gegen die Peloponnes nutzen?

Mehrfach wird deshalb in den folgenden Wochen eine der beiden Parteien in den

lokalen Konflikt eingreifen.

Wird die Präsenz athenischer oder spartanischer Flottenverbände Wendung um Wendung

in das komplizierte Geschehen bringen.

So ist es auch ein Schiff, dessen Ankunft wenige Tage nach dem Gemetzel im Ratsgebäude

die eigentliche Stasis, den inneren Kampf, auslöst.

Sparta schickt Gesandte nach

Kerkira, wohl um den Anhängern der Oligarchie Unterstützung zuzusagen.

Die gehen nun zu offener Gewalt über.

Mit Schwertern, Dolchen und Spießen, so kann man es sich vorstellen,

schlagen sie in den Straßen des Inselhauptortes gegen die verfeindeten Demokraten

los, die sich ebenfalls mit Waffen wehren.

Wie viele Menschen bei diesen ersten Kämpfen zu Tode kommen, ist unbekannt.

Doch vermutlich zeichnet sich bereits jetzt die besondere Gnadenlosigkeit der Stasis ab.

Der Gegner, eben noch ein Mitbürger, vielleicht sogar ein Freund,

soll nicht nur geschlagen, sondern ausgelöscht werden.

Zunächst sieht alles nach einem Triumph der Seite der Oligarchie aus,

doch am dritten Tag wendet sich das Blatt.

Zwei Gruppen, so berichtet es Tukididis, tragen dazu bei, dass die Demokraten

jetzt die Oberhand gewinnen.

Sklaven aus den Landgebieten der Insel, denen von beiden Parteien die Freilassung versprochen wird,

die sich aber mehrheitlich auf die Seite des Volkes schlagen,

weil sie sich womöglich von diesem Lager eher den Erhalt ihrer Freiheit nach dem Krieg erhoffen.

Und die Frauen der Demokratieanhänger. Von den Dächern der Häuser werfen sie Ziegel auf die Gegner.

Einem Sieg der Partei des Volkes steht nichts mehr im Weg.

Die spartanischen Gesandten haben Kerkira bereits heimlich verlassen.

Am Tag darauf trifft dafür der athenische Feldherr Nikostratos mit zwölf Schiffen ein.

Er versucht noch eine Einigung unter den verfeindeten Lagern herbeizuführen,

mit der Bedingung natürlich, dass die Oligarchie-Anhänger sich dem Bündnis mit Athen fügen,

doch die Demokraten wollen keinen Kompromiss mehr, keine Versöhnung.

Nur mit Mühe kann Nikostratos sie von weiteren Gewaltaktionen abhalten.

Und so flüchten Hunderte der Bedrohten in das der Göttermutter Hera gewidmete

Heraion, das sich nahe der Küste erstreckt.

Ahnen die dort Ausharrenden, dass nicht nur ihre Machtposition,

ihre gesellschaftliche Stellung in Gefahr ist, sondern ihr Leben?

Dass das Volk sich nicht mit einem Sieg und harten Strafen für die Feinde zufrieden

geben wird, sondern erst mit deren physischer Vernichtung?

Ein Massaker an unbewaffneten Opfern wäre zumindest kein Einzelfall.

Im selben Jahr verurteilen die Spartaner nach jahrelanger Belagerung alle noch

verbliebenen männlichen Einwohner der Stadt Plataia im Schnellverfahren zum

Tode und lassen jeden Einzelnen sofort hinrichten.

Die Athener planen ein noch größeres Massenmorden. Sämtliche Männer der besiegten

Stadt Mytilene auf der Insel Lesbos sollen, so entscheidet die Volksversammlung

der attischen Polis, den Tod finden.

Mit diesem Auftrag bricht ein Schiff nach Lesbos auf.

Tags darauf schrecken viele Bürger jedoch vor einer solchen Untat zurück.

Erst in letzter Minute erreicht ein zweites aus Athen entsandtes Schiff die

Insel und kann das Massaker an den Mytilenern verhindern.

Mehr als 1000 Gefangene aber, die sich bereits in Athen befanden,

werden trotz allem in den Tod geschickt.

Die Flüchtlinge im Heiligtum der Hera von Kekira schwanken wohl zwischen Hoffnung und Verzweiflung.

Zunächst scheint sich das Schicksal zu ihren Gunsten zu wenden,

denn nach einigen Tagen taucht eine große Flotte des Peloponesischen Bundes

unter spartanischem Kommando auf.

In der entbrennenden Seeschlacht ist sie dem Aufgebot der Einheimischen und

der anwesenden Athener überlegen.

Vor dem Angriff auf die Stadt aber schreckt der Befehlshaber zurück.

Kurz darauf nimmt der verworrene Konflikt eine weitere überraschende Wende.

Von Süden nähert sich ein athenischer Verband mit 60 Schiffen.

Kaum, dass sie davon Nachricht erhalten, geben die Peloponnesier die Sache verloren

und überlassen die Parteigänger in Kerkira ihrem Schicksal.

Heimlich machen sie sich davon, ziehen ihre Schiffe gar über eine Landenge,

um nicht bei der Umfahrung der Halbinsel Leukers von den Athenern entdeckt zu werden.

Mit Ankunft der attischen Flotte ist die Stasis von Kerkira entschieden.

Grausam rechnen die Sieger mit den Unterlegenen ab.

Ein enthemmtes Metzeln, das Tukididis schaudern lässt.

Sieben Tage lang mordeten die Kerküreer ihre angeblichen Feinde.

Und weiter, jede Todesart wurde üblich.

Und es gab nichts, was es nicht gab. Hab ja, noch Extremeres,

denn der Vater mordete den Sohn.

Einige wurden auch eingemauert und gingen so zugrunde.

Die Zahl der Opfer kennt niemand, aber vermutlich fallen dem Wüten insgesamt

mehr als 1000 Menschen anheim.

Die siegreichen Demokraten ziehen von Haus zu Haus, erschlagen oder erstechen

ihre Feinde an Ort und Stelle.

Die Athener beteiligen sich nicht an dem Massaker, »Verhindern ist aber auch nicht.

Nicht immer, so Tukididis, sind die Opfer wirkliche politische Gegner.

Einige aber fanden den Tod einer persönlichen Feindschaft wegen.

Andere, denen man Geld schuldig war, starben unter den Händen ihrer Schuldner.«.

Die Begleichung alter Rechnungen unter dem Schutz allgemeiner Gewaltexzesse

ist Teil einer jeden Stasis.

Nachdem die Schiffe der Athener gelandet sind, müssen auch die Flüchtlinge im

Hera-Heiligtum bangen, dass die Demokraten Kerkiras sie zu Opfern ihrer Siegerrache machen.

Es sind etwa 400 Männer, die hier Schutz gesucht haben.

Stürmen wollen die Volksfreunde den geheiligten Ort nicht.

Das wäre ein Sakrileg, das zu begehen sie noch jedenfalls nicht bereit sind.

Stattdessen machen die Sieger den Eingeschlossenen ein Angebot.

Verlassen sie das Heraion freiwillig, werden sie einen Prozess erhalten.

Die Schutzsuchenden werden nun wohl erbittert diskutieren.

Sollen sie weiter in ihrem einstweilen sicheren Refugium bleiben,

Bis doch noch Rettung naht, etwa eine weitere Flotte von der Peloponnese die Insel erreicht?

Oder aber können sie der Gegenseite vertrauen und auf ein gerechtes Verfahren

hoffen, so vielleicht der Todesstrafe entrinnen?

Angesichts der blutigen Kämpfe in Kerkiras Straßen ist es schwer verständlich,

warum offenbar einige davon ausgehen, ihre Feinde würden sie verschonen.

Ein kleinerer Teil der Gruppe, behauptet Tukididis, entscheidet sich gleichwohl

dafür, das Angebot anzunehmen. Rund 50 Männer verlassen das Herajon und begeben

sich in die Hände ihrer Gegner.

Umgehend verurteilen die Demokraten die Gefangenen zum Tode und vollziehen die Urteile sofort,

Vom Inneren der Tempelanlage müssen die Verbliebenen an jenem Sommertag mit

Ansehen wie ihrer Gefährten niedergemacht werden,

Nun wissen sie, dass auch sie verloren sind,

Um nicht durch die Hand ihrer Gegner brutal ermordet zu werden,

töten die Männer einander oder begehen Suizid Einige erhängten sich an Bäumen,

manche andere schieden aus dem Leben, wie jeder eben konnte, berichtet Tukididis.

Am Ende ist das Heraion mit den Leichen von 350 Kerkereern überseht.

Nach diesem entsetzlichen Blutzoll beruhigt sich die Lage zunächst.

Doch das grausame Finale der Stasis auf Kerkira steht noch aus,

denn einigen hundert Unterstützern der Oligarchie ist während des Massakers die Flucht gelungen.

Von einer abgelegenen Region der Insel aus leisten sie verzweifelten Widerstand

gegen die Herrschaft der Demokraten.

425 v. Chr. aber können die Machthaber in Kerkira dieses allerletzte Aufgebot

ihrer Feinde mithilfe des großen Verbündeten Athen besiegen.

Die Aufständischen werden in ein großes Gebäude gesperrt.

Und wie bereits zwei Jahre zuvor ist es kein rechtmäßiger Prozess,

der die Gefangenen erwartet, sondern rohe Gewalt.

In kleineren Gruppen zusammengefesselt treibt man sie zwischen zwei Reihen schwer

bewaffneter Krieger hindurch, die auf sie einstechen und schlagen.

Rund 60 Mann sterben auf diese Weise.

Dann werden die übrigen des grausamen Treibens gewahr und verbarrikadieren sich im Gebäude.

Doch die Kerküreer entfernen das Dach und traktieren die schutzlosen Insassen

mit Pfeilschüssen und herabgeworfenen Ziegeln.

Keiner der Aufständischen überlebt diesen Tag.

Die Ruhe, die danach auf Kerkira einkehrt, ist die eines Friedhofs.

Bis zum letzten Mann haben die Demokraten die oligarchische Gegenseite ausgelöscht.

Etlichen Städten in Griechenland stehen die Schrecken des Stasis,

die Kerkira durchlebt hat, da noch bevor.

Im Windschatten des großen Konflikts zwischen Athen und Sparta brechen immer

wieder innere Kämpfe in den Polis aus, in denen Menschen ihre Nachbarn und Freunde erschlagen.

Schätzungen reichen bis zu etwa 100 Fällen.

Es ist ein Phänomen, das nicht auf den Peloponnesischen Krieg beschränkt bleibt.

Das Jahrhundert, das auf das Ende des großen Ringens zwischen Athen und Sparta 404 v. Chr.

Folgt, steht den vorhergegangenen Jahrzehnten in Sachen Gewalt in nichts nach.

Um 379 v. Chr.

Bekämpfen sich in Theben zu dieser Zeit in Konflikte mit Sparta verstrickt wie

einst auf Kerkira-Demokraten und Anhänger einer Oligarchie.

Und am Ende begehen die Sieger ein Massaker unter den Besiegten,

wie es schlimmer kaum denkbar ist.

Dieses Mal sind selbst die Kleinsten unter den Opfern, sterben auch die Kinder

der Feinde aus der eigenen Bürgerschaft durch die Hand der überlegenen Demokraten.

Das war Peter Kämpfe mit einer Geschichte aus der neuen Geo-Epoche-Ausgabe Athen

gegen Sparta. Katrin, du bist noch da, das ist schön.

Denn lass uns noch mal ganz kurz gucken auf Corfu. Da siegen die Demokraten,

also die Parteigänger Athens, auf schreckliche Weise, haben wir jetzt gehört.

Aber, und da müssen wir jetzt doch mal kurz spoilern, den Peloponesischen Krieg,

den gewinnen die Athener und ihre Verbündeten nicht.

Ja, es geht ziemlich schlecht aus für Athen, aber auf lange Sicht heißt das auch wieder nichts.

Ja, wird jetzt kryptisch, aber

wir wollen natürlich auch, dass ihr alle in unsere neue Ausgabe schaut.

Da gibt es, wie gesagt, eine Menge Geschichten aus und über den Peloponesischen Krieg.

Und in diesem Zuge nochmal der Hinweis, ihr könnt das ganze Heft auch digital

lesen auf Geo Epoche Plus.

Da gibt es auch unser gesamtes Audio-Angebot natürlich mit dem Vorteil,

dass die neuen Folgen von Verbrechen der Vergangenheit dort wie bei RTL Plus

immer zwei Wochen früher erscheinen.

Ansonsten freuen wir uns wie immer, wenn ihr uns euer Feedback und Fragen an

verbrechendervergangenheit.geo.de schickt, wenn ihr Geo-Epoche auf Instagram

folgt und unseren Podcast in euren Apps abonniert und auch gern freundlich bewertet.

Ja und damit entlasse ich uns und euch jetzt in eine kleine Sommerpause,

also Verbrechen der Vergangenheit pausiert ein bisschen.

Habt eine schöne Zeit über die nächsten Wochen. Wir sind dann Ende August wieder

mit der nächsten Folge da. Macht's gut bis dahin. Tschüss.

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