Mit apokalyptischen Verwüstungszügen zu Pferde terrorisieren die Engländer im
100-jährigen Krieg die Untertanen des französischen Königs.
Doch niemand wendet die Taktik der verbrannten Erde so konsequent an wie Kronprinz
Eduard von Woodstock, einer der gefürchtetsten Heerführer der Epoche.
Verbrechen der Vergangenheit. Ein Crime-Podcast von Geo-Epoche und RTL Plus.
Hallo, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Verbrechen der Vergangenheit,
dem Podcast, der von der dunklen Seite des Menschen und der Macht erzählt.
Bevor es losgeht, sei euch noch einmal unsere jüngste Podcast-Serie über die
Terroranschläge vom 11.
September 2001 empfohlen. Sechs Teile sind das, alle gesprochen von Verbrechen
der Vergangenheit, Erzähler Peter Kämpfe.
Und wer die Serie noch nicht kennt, ihr findet sie, das Angebot weiter zum Probierpreis
auf GeoPlus unter geo.de-september.
So, nun geht es um, Achtung, superlativ, den längsten militärischen Konflikt
der europäischen Geschichte.
Wir sind im hundertjährigen Krieg
unterwegs, auf den besonders düsteren Nebenschauplätzen dieses Konfliktes.
Genauer, der im 14. Jahrhundert zwischen den Königen von England und Frankreich
tobte und der nicht nur die moderne Landkarte Europas zutiefst geprägt hat,
sondern auch den Alltag der Menschen damals.
Ein ganzes Jahrhundert lang, genauer waren es 116 Jahre, leidet nämlich immer
wieder vor allem die Bevölkerung, leiden die einfachen Menschen unter dem Streit
ihrer Könige, unter abgrundtiefer Gewalt, unter moralischer Verrohung.
Sie werden zu Opfern grausamer Kriegsverbrechen, würde man das heute wohl nennen.
Und einer der schlimmsten Täter, das war ein Ritter mit dem dunklen Beinamen der Schwarze Prinz.
Der Schwarze Prinz, das war ein Heerführer, der Terror gegen die Bevölkerung
zum obersten Prinzip seiner Kriegsführung machte.
Ich bin Insa Bethke, mir gegenüber sitzt mein Kollege Johannes Teschner,
der die zum Thema passende Geo-Epoche-Ausgabe der 100-jährige Krieg betreut hat.
Und wir freuen uns, dass ihr zuhört. Schön, dass du da bist,
Johannes. Hallo Insa. Johannes, der Schwarze Prinz, hat seinen Namen nicht von ungefähr.
Nee, den hat er wohl, weil er in seinen Schlachten und Herzügen eine tiefdunkle
Rüstung getragen hat. Deswegen wird man ihn dann später den Schwarzen Prinzen nennen.
Aber der Name passt auch im übertragenen Sinne, wenn man, klingt ja bedrohlich
und du hast es gerade schon angedeutet, was dieser muskulöse junge Mann mit
Schnurrbart, der Sohn des englischen Königs anrichtet in Frankreich.
Also verheerende Angriffe auf die Zivilisten, in sogenannten Chevauchées, wie das genannt wurde.
Und das kommt von Reiten, dem französischen Wort für Reiten.
Das sind halt diese Terrorzüge gegen die Zivilbevölkerung, die halt auch das
genau zum Prinzip haben, den Gegner zu schwächen, indem man das Land verwüstet,
die Ernten verwüstet, die Dörfer verwüstet und so weiter.
Und das macht er wie kein anderer und ist also, trägt maßgeblich dazu bei,
dass dieser hundertjährige Krieg brutaler und blutiger verläuft als jeder vorangegangene
Konflikt des Mittelalters.
Ja, da schauen wir jetzt mal ein bisschen hin, ordnen mal ein,
was das eigentlich genau ist, dieser hundertjährige Krieg. Der hundertjährige Krieg ist ein...
Messen zwischen England und Frankreich von 1337 bis 1453, also ganze 116 Jahre,
du hast es schon gesagt, die Historiker nehmen es dann später nicht ganz so genau mit der Zahl.
Da ist natürlich nicht die ganze Zeit Krieg, Schlacht auf Schlacht,
das hat verschiedene Phasen, aber das ist halt die Zeitspanne,
in dem dieser Konflikt andauert zwischen diesen beiden großen Mächten,
der dann halt auch unermessliches Leid für die Bevölkerung bringt.
Und der Krieg, der kam natürlich nicht einfach so aus der Luft,
der hat eine lange Vorgeschichte.
Das ist so. Also um das zu erklären, müssen wir ein paar hundert Jahre zurückgehen,
wie das oft so ist mit historischen Entwicklungen und Ursprüngen.
Aber ich glaube, wenn wir das gemacht haben, dann haben wir schon viel geschafft.
Denn es ist so, also der hundertjährige Krieg ist zwar äußerst kompliziert,
also weil er halt so lange geht
und sich etliche Rivalen in wechselnden Konstellationen gegenüberstehen.
Aber auf der anderen Seite ist er eigentlich auch einigermaßen einfach gestrickt.
Weil nämlich die Grundsituation, aus der er wächst, die bleibt über alle Wendungen
und Wirrungen dieses Konflikts im Prinzip die gleiche. Und um diese Grundsituation
zu verstehen, müssen wir in der Zeit nochmal weiter zurückreisen. Müssen wir.
Um genau zu sein in das Jahr 1066. Ein legendäres Jahr. Ein sehr bekanntes Jahr
in der Geschichte, vor allem in der englischen Zeitung.
Damals setzt nämlich Wilhelm, der Herzog der Normandie, also im Norden des heutigen
Frankreichs, mit einem Invasionsheer über den Ärmelkanal und erkämpft sich in
der Schlacht von Hastings oder bei Hastings die englische Königswürde.
Später wird er dann Wilhelm der Eroberer genannt.
Er herrscht fortan über das Inselreich England. Er ist mal so weit,
so gut. Aber jetzt kommt der Kniff.
Denn da er auch weiterhin Oberhaupt seines nordfranzösischen Herzogstums bleibt,
ist er nicht nur englischer König, sondern auch weiterhin Vasall des französischen Königs.
Ja, und das klingt danach, dass da Probleme vorprogrammiert sind.
Das ist eine überaus problematische Situation. Das muss man sich mal vorstellen.
Also der große englische König ist gleichzeitig ein Untergebener,
der das Knie beugen muss vor dem französischen König.
Das ist nämlich sein Lehnsherr. Also er muss dem nominell höhergestellten Huldigen,
um vom französischen König sein Lehn bestätigt zu bekommen.
Und das, du hast es gesagt, kann man sich vorstellen, bringt jede Menge Spannung mit sich.
Also der englische Herrscher will natürlich all seine Territorien als souveräner
Machthaber regieren und muss aber ob seines Vasallenstatus in Frankreich da
doch eine ganz schöne Demütigung empfinden.
Und auf der anderen Seite der französische Monarch, der will natürlich in seinen
Territorien der mächtigste sein, der stärkste sein und er muss diesen sehr,
sehr mächtigen Untertanen als Bedrohung wahrnehmen.
Diese Bedrohung wächst noch, weil dann Wilhelms Nachfolger noch viel größere
Territorien in Frankreich kontrollieren als Wilhelm selbst.
Ja, das musst du erklären. Wieso ist das so? Ja, das ist so,
weil sich im 12. Jahrhundert die Geschichte von 1066 in gewisser Weise wiederholt.
Also es wird jetzt ein bisschen komplizierter, aber im Prinzip bleibt es das
Gleiche. Es ist nämlich abermals so, dass ein Herzog aus Frankreich...
Die englische Königswürde erlangt, weil er nämlich über ein paar Ecken mit Wilhelm
dem Oberer verwandt ist.
Und das ist ein Herzog, Heinrich von Plantagenet, der dann Heinrich II.
In England wird als König, der in Frankreich sehr viel Land hat,
vor allen Dingen im Westen von Frankreich,
der dann noch mehr Land dazu bekommt und mit dem Ergebnis, dass er,
der König von England, mehr Land in Frankreich hat als der französische König selbst.
Wow, das heißt der englische König, das muss man sich wirklich vor Augen führen,
der gebietet in Frankreich über
mehr Land als der dortige, als der französische König. Ja, irre, oder?
Und dieses sogenannte Angervinische Reich, der Name leitet sich vom Stammland
Heinrichs II. in Frankreich ab, das ist dann die größte kontinentale Ausdehnung
des englischen Herrscherhauses jemals.
Also da haben die englischen Könige so viel Land auf dem Kontinent wie niemals
zuvor und niemals danach.
Und das ist natürlich ein Albtraum für den französischen König.
Also es ist quasi so, dass sein eigener Vasall droht, ihn zu erdrücken in seinem eigenen Reich.
Und so lauern Frankreichs Herrscher darauf, dass es irgendwie eine Schwäche
gibt in diesem angewinischen Reich, weil sie auch sehen, okay,
das ist vielleicht ein bisschen überdehnt. Wenn sich die Möglichkeit ergibt,
dann versuchen wir das zurückzudrängen.
Das passiert dann. Anfang des 13. Jahrhunderts kommt es da zu Erbstreitigkeiten
in dem Reich und diese Situation nutzen die französischen Herrscher und greifen an und können,
Teile des angewinischen Reiches erobern, drängen also den englischen Herrscher zurück.
Dann ist es sogar so, dass die beiden erstmal Frieden schließen,
Frankreich und England, 1259, beide so ein bisschen ermattet von diesem ständigen Konflikt.
Da wird dann der Vasallenstatus des englischen Königs, der ja so ein bisschen
auf dem Rückzug ist, nochmal schriftlich festgehalten und sein Gebiet in Frankreich
wird deutlich verkleinert. Sache also gelöst, könnte man meinen,
aber klar, so einfach ist es nicht.
Ja, die Spannung ist kurzzeitig ein bisschen gelockert, aber der Grundkonflikt
der Interessen bleibt derselbe.
Der englische König will als souveräner Herrscher auch über seinen kontinentalen
Besitz herrschen und der französische König will diesen bedrohlich mächtigen Vasall loswerden.
So eskaliert das dann Ende des 13. Jahrhunderts wieder, die Spannung.
Der französische König greift wiederum an und am Ende vereinbaren die beiden
dann eine Heirat, um abermals Spannung rauszunehmen aus dem Konflikt.
Dass nämlich der Sohn des englischen Königs eine Frau, Isabel,
aus dem französischen Königshaus heiratet.
So soll das dann über Heiratspolitik ein bisschen Ruhe einkehren.
Ja, ganz übliche Sache. Ganz übliche Sache. Funktioniert auch zunächst erstmal
ganz gut, bis dann diese Frau, Isabel, mit ganzer Macht ihre eigenen Interessen verfolgt.
Inwiefern macht sie das? Das macht sie folgendermaßen, als ihr Bruder,
der französische König Karl IV.
1328, ohne einen männlichen Erben stirbt, da fordert sie die Krone für ihren 15-jährigen Sohn.
Der Punkt ist aber, dass ihr 15-jähriger Sohn mittlerweile als Eduard III.
Schon König von England ist.
Also das ist dann tatsächlich der nächste männliche Verwandte des verstorbenen Karl.
Insofern ist das schon okay, was sie sagt, aber sie sagt damit natürlich auch,
wir wollen jetzt beide Kronen haben, also die englische und die französische
Krone auf einen Herrscher vereint.
Das ist eine Sache, die Frankreichs Mächtige nicht akzeptieren wollen und können.
Sie krönen stattdessen einen Cousin, Karls, zum neuen König.
Und dieser neue König, Philipp VI., zieht dann abermals in die französischen
Besitzungen seines englischen Rivalen ein.
Also eigentlich eine Situation, wie wir sie schon mehrmals hatten.
Aber ein neues Niveau des Konflikts, denn die Reaktion Eduards III.
Ist heftiger als die all seiner Vorgänger.
Er bestreitet Philipps Recht auf den Thron und beansprucht ihn ganz offiziell für sich.
Das hat vor ihm noch kein englischer König getan. Es geht jetzt also um die
Macht in ganz Frankreich, um den französischen Thron.
Waren diese Gefechte zwischen dem englischen und den französischen Herrscher
bisher immer beschränkt auf die umstrittenen Herzogtümer und die Grafschaften,
also um die Lehnen des englischen Königs in Frankreich.
Macht Eduard mit seinem Thronanspruch jetzt ganz Frankreich zum potenziellen Schlachtfeld.
Und so kann das epische Ring im Hundertjährigen Krieg beginnen.
Ja, und in dieses Ring steigen wir jetzt mit der Geschichte ein,
mit dem Fokus auf das, was es für die Bevölkerung bedeutet hat.
Darüber haben wir anfangs gesprochen, was Heerführer wie der Schwarze Prinz
den Menschen im Hundertjährigen Krieg antaten.
Ihr hört eine historische Reportage von Oliver Fischer. Es liest Peter Kämpfe.
Niemand zählt die Tränen an diesem Herbsttag, niemand die Toten,
die Vergewaltigten, die Verstümmelten.
Keiner kann sagen, wie viele Häuser eingeäschert, wie viele Felder und Weiden verwüstet wurden.
Sicher ist nur, dass an diesem Tag ein nie gekannter Schrecken über den hügeligen
Landstrich südöstlich von Toulouse hereingebrochen ist.
Ein Grauen, über das viele der Überlebenden vermutlich nie hinwegkommen werden.
Ende Oktober 1355. Riesige Rauchwolken künden am Morgen die Katastrophe an.
Alarmiert steigen Bauern in den Dörfern der Umgebung auf die Kirchtürme und
erblicken eine apokalyptische Szenerie.
Eine gewaltige Front aus tausenden Reitern und Bogenschützen,
die schnell über die Hänge näher rückt.
Es sind Truppen des englischen Königs, verteilt auf drei Flügel über eine Breite
von insgesamt rund 40 Kilometern.
Wie eine vernichtende Welle gehen die Angreifer kurz darauf über die Dörfer
nieder, preschen in Trupps von 30 Mann über die staubigen Straßen,
schleudern brennende Fackeln in die Bauernhütten.
Die Landleute, die nicht schon geflohen sind, hassten spätestens jetzt aus ihren
Unterkünften und müssen fassungslos mit ansehen, wie ihr gesamter Besitz im Feuer vergeht.
Der Schafsfellmantel für den Winter, die Strohsäcke, die sie als Betten nutzen,
die Holzkisten mit der wenigen Wäsche.
Die Soldaten plündern Scheunen und Ställe, laden Weinfässer auf ihre Pferde,
zerren Schweine und Schafe fort, Proviant für ihre nächste Etappe.
Güter, die sie nicht benötigen, stecken sie in Brand, überzähliges Vieh metzeln sie nieder.
Dazu setzen sie die mehr als ein Dutzend Windmühlen der Gegend in Flammen.
Wie Mahnmale ragen ihre brennenden Flügel über der Landschaft auf,
bis auch sie zu Asche werden.
Für die Bauern kommt dieser Angriff völlig überraschend.
Trotz des seit fast 20 Jahren andauernden Krieges zwischen englischer und französischer
Krone hatten sie sich hier sicher gefühlt.
Denn zwei reißende Flüsse, die Garonne und die Ariège, trennen ihre Heimat von
der weiter westlich gelegenen Gascogne, die dem englischen Monarchen gehört.
Seit Menschengedenken hat keine Armee mit Reiterei diese Ströme überquert.
Aber nun Chaos, Schreie und das unaufhörliche Prasseln der Flammen.
Die Bauern versuchen in Wälder oder alte Steinbrüche zu fliehen,
doch die Soldaten versperren ihnen den Weg, greifen sich Männer,
bei denen sie Geld oder andere Wertsachen vermuten.
Wer ihnen nichts aushändigen kann oder will, dem schneiden sie die Ohren ab.
Oder durchtrennen ihm die Kehle.
Wohl an die fünf Stunden wüten die englischen Soldaten, dann ziehen sie weiter
Richtung Osten, um am nächsten Tag andere Dörfer zu brandschatzen.
Denn in diesem Feldzug sind derlei Verwüstungen keine Begleiterscheinungen,
sie sind sein eigentliches Ziel.
Befehligt wird die Zerstörungsorgie von einem muskulösen jungen Mann mit Schnurrbart,
der inmitten seiner Armee reitet, Prinz Eduard von Woodstock,
der älteste Sohn des englischen Königs, der einmal den Thron erben soll.
Wohl wegen seiner tiefdunklen Rüstung wird man ihn später den Schwarzen Prinzen nennen.
In diesen Jahren aber erweist sich Eduard vor allem als eines,
als Großmeister der Chevauchées, wie seine Zeitgenossen die verheerenden Angriffe
auf wehrlose Zivilisten nennen, von Chevauchées, französisch für Reiten.
Wie wohl kein anderer Heerführer des hundertjährigen Krieges setzt der englische
Prinz Terror als Waffe ein.
Durch die Attacken tief in das Gebiet des französischen Königs hinein will er
den Einwohnern zeigen, dass ihr Herrscher unfähig ist, sie zu schützen,
denn der Monarch, der wie alle europäischen Regenten der Zeit über kein stehendes
Heer verfügt, ist nicht in der Lage, in kürzester Zeit eine Armee aufzustellen, auszurüsten
und in den Süden seines Reichs zu schicken.
Und indem der Schwarze Prinz Mühlen, Felder und Ställe in Brand setzt,
zerstört er auch die Grundlagen der französischen Wirtschaft und schmälert die
Steuereinnahmen des Monarchen in Paris.
Durch seine Chevauchées stärkt Eduard Englands Stellung und bringt zugleich
eine neue Dimension von Grausamkeit in die Welt.
Dass der hundertjährige Krieg brutaler und blutiger verläuft als jeder vorangegangene
Konflikt des Mittelalters ist ganz wesentlich sein Werk.
Edward von Woodstock entstammt einer völlig anderen Sphäre als seine Opfer.
Er wächst in Palästen auf, umgeben von Dienern, trägt kostbare Kleidung aus Pelz und Seide.
Und doch steht auch sein Leben ganz im Zeichen des Krieges gegen Frankreich.
Er ist sieben, als der Jahrhundertkonflikt 1337 beginnt.
Und sein Vater, König Eduard III., lässt ihn von Anfang an das politische Ringen
der beiden Mächte miterleben.
Vor den Toren Londons empfängt das Kind zwei Kardinäle, die zu Friedensverhandlungen
aus Frankreich herbeigeeilt sind.
Tatsächlich wird es ihnen gelingen, die Feindseligkeiten für einige Monate aufzuschieben.
Bücher und höhere Bildung interessieren den jungen Prinzen nicht.
Seine Lehrer können ihm gerade so viel Latein und Mathematik beibringen,
wie er braucht, um später die Regierungsgeschäfte zu führen.
Denn was ihn mehr als alles andere begeistert, ist die Kampfeskunst.
Schon früh reitet er bei Turnieren, besitzt bereits im Alter von acht Jahren
eine vollständige Rüstung mit Harnischarmschienen und Visier.
Im Sommer 1346 kommt der Moment, auf den Eduard vermutlich lange gewartet hat.
Der 16-Jährige bricht mit seinem Vater zu seinem ersten großen Feldzug auf.
Mit einer Armee von 10.000 Mann landet er in der Normandie und wird noch am
selben Tag von seinem Vater auf einem Hügel zum Ritter geschlagen.
Doch der Feldzug, der nun beginnt, folgt nicht den ritterlichen Tugenden von
Tapferkeit und edlen Taten.
Diese Ideale gelten nur im Umgang der Ritter untereinander.
Denn König Eduard III. beginnt seine Offensive mit einer Chevauchée.
Schon seit mehr als einem Jahrhundert haben Englands Herrscher diese Terrorattacken
gelegentlich gegen Zivilisten im Feindesland eingesetzt.
Eduard III. macht sie im hundertjährigen Krieg zu einer der meistgenutzten Kampfarten der Engländer.
Schon kurz nach der Landung lässt er seine Truppen entlang der Küste brandschatzen und plündern.
Sein Sohn, der Kronprinz, schaut aufmerksam zu,
lernt, wie schnell eine Handvoll Männer mit Fackeln ganze Dörfer abbrennen können
und welch breite Schneisen der Zerstörung sich durch die Landschaft ziehen lassen,
wenn die Armee in mehreren Kilometer weit auseinandergezogenen Flügeln vorrückt. Hier.
In diesen ersten Tagen in der Normandie studiert er die Kunst des Terrors.
Und neun Jahre später, als er erstmals selbst eine Chevauchée anführt,
setzt er diese Kenntnisse mit grausamer Effizienz um.
Anfang November 1355. Seit vier Wochen ist Prinz Edward schon auf seinem Feldzug,
der ihn von Bordeaux fast 400 Kilometer bis hinunter zum Mittelmeer führen soll.
Die Dörfer bei Toulouse hat er ausgelöscht. Mühlen und Scheunen verbrannt,
vielen hundert Menschen Besitz und oft auch das Leben genommen.
Nun bewegt er sich mit seinen Truppen weiter in Richtung Südosten.
Der 25-Jährige hat sich mittlerweile den Ruf eines harten und arroganten,
zugleich aber sehr begabten Militärführers erworben.
Er lässt seine Truppen weiter Bauernsiedlungen anzünden, aber auch größere Orte
zerstört einmal vier Städte an einem Tag, verschont dabei selbst Kirchen und Hospitäler nicht.
Kein Tag vergeht, ohne dass wir eine Stadt, eine Burg oder Festung einnehmen,
schreibt er offensichtlich stolz in einem Brief.
Am 3. November erreichen die Truppen Carcassonne, einen der wohlhabendsten Orte
im Südwesten Frankreichs.
Die Engländer sind beeindruckt. Größer als London und schöner als York erscheint
ihnen diese Stadt, so berichten Chronisten.
Doch ist sie menschenleer?
Die Einwohner haben sich in einer riesigen Schutzburg am gegenüberliegenden
Flussufer in Sicherheit gebracht, Haaren hinter den dicken Mauern mit ihren 52 Türmen aus.
Dem Prinzen bieten sie 25.000 Gold-Equus, wenn er ihre Stadt verschont.
Das sind mehr als 100 Kilogramm an reinem Gold, aber Eduard lehnt ab.
Der Schaden für Frankreichs König ist um ein Vielfaches höher,
wenn der Schwarze Prinz diese Metropole an der alten Handelsstraße zwischen
Mittelmeer und Atlantik zerstört.
Und so geht auch das prächtige Carcassonne in Flammen auf.
In den folgenden Tagen gelangt Eduard zur Hafenstadt Narbonne,
zehn Kilometer vom Meer entfernt.
Zum ersten Mal seit Beginn der Chevauchée, fünf Wochen zuvor,
stößt er auf größeren Widerstand.
Von einer Burg, die auch hier neben der Stadt aufragt, feuern Soldaten,
Steinkugeln und lodernde Pfeile auf Eduards Truppen.
Allerdings setzen die Verteidiger bei dem Beschuss versehentlich ihren Heimatort
in Brand, so dass Narbonne zu Asche wird und der Prinz auch hier sein Ziel erreicht.
Inzwischen ist es Mitte November. Eduard beschließt, mit seinen Truppen in die
Gascogne zurückzukehren, das englische Territorium am Atlantik.
Mit 1000 Karren voller Beute zieht er dort ein. Darunter geraubte Teppiche,
Wandbehänge und Juwelen.
Er dürfte hoch zufrieden mit seinem Feldzug sein.
Über 500 Dörfer, Burgen und Städte hat Eduard geplündert und zerstört.
18.000 Quadratkilometer Land sind fast völlig verwüstet.
Seit der Krieg gegen den französischen König begonnen hat, gab es noch nie eine
solche Zerstörung wie auf diesem Feldzug,
schreibt einer seiner engsten Berater und rechnet wohl im Auftrag des Prinzen
den dadurch entstandenen finanziellen Schaden möglichst genau aus.
Die Einnahmen aus den zerstörten Städten und Feldern haben dem Monarchen in
Paris demnach rund die Hälfte seiner Kriegskosten eingebracht.
Das belegen angeblich Steuerlisten, die die Engländer beschlagnahmt haben.
Auch wenn diese Rechnung wahrscheinlich fehlerhaft ist, Frankreich ist massiv geschwächt.
Die Strategie des Schwarzen Prinzen und seines Vaters geht auf.
Den Winter und das Frühjahr verbringt Eduard größtenteils in der Gascogne.
Im Sommer startet er nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr eine neue Chevauchée.
Wieder wird der Prinz tief in französisches Territorium vorstoßen,
diesmal in nordöstliche Richtung von Bordeaux an die Loire.
Und wieder wird der Krieg vor allem eine Gruppe treffen, die Bauern.
Denn das Herz der französischen Wirtschaft schlägt auf dem Lande.
In den gut 40.000 Dörfern zwischen Ärmelkanal und Pyrenäen wird der überwältigende
Teil aller Waren produziert, die in Frankreich gekauft und getauscht werden.
Die Wolle für die Kleidung stammt von den Schafen, der Bauern.
Milch und Käse von ihren Kühen, Bau und Brennholz werden von den Landleuten
in den Wäldern geschlagen.
Wer, wie der Schwarze Prinz, die Bauern massiv angreift, kann das Königreich ins Wanken bringen.
Dabei profitieren die Bauern selbst kaum von ihrer Arbeit.
Vielleicht 14 Millionen Menschen schuften auf Äckern und Weiden,
das sind rund 90 Prozent der Franzosen.
Doch ein Großteil von ihnen ist so arm, dass sie sich nicht einmal einen Pflug leisten können.
Im Frühling und Herbst kann man sehen, wie die Bauern mit tiefgebeugtem Rücken über die Felder ziehen.
Mühsam brechen sie die Erde mit Hacke und Spaten auf, säen je nach Saison Hafer
oder Gerste oder Weizen und Roggen.
Getreidebrei gehört zu ihren häufigsten Speisen, dazu gibt es Erbsen,
Bohnen, Zwiebeln und Brot, Fleisch dagegen nur sehr selten.
Ihre Wohnstätten sind meist schlichte Hütten aus Strohlehm, die Dächer gedeckt
mit Schilf oder Holzschindeln.
Durch Luken in den Wänden dringt ein wenig Licht in den schmalen Innenraum,
in dem sich fast immer auch die Feuerstelle findet.
Das Leben ist karg und monoton. Im Sommer treiben die Bauern ihre Schafe,
Ziegen und Kühe auf die Weiden.
Im Herbst scheuchen sie Schweine in die Wälder, um sie mit Eicheln und Bucheckern zu mästen.
Wer Wein anbaut, erntet nun die Trauben und keltert sie mit nackten Füßen in einem Holzbottich.
Die meisten Bauern arbeiten auf Land, das Adeligen oder der Kirche gehört.
Den Grundherren zahlen sie dafür Abgaben, oft in Form von Naturalien,
müssen ihnen aber auch Arbeitsdienste leisten, etwa die Saat auf den Äckern
ausbringen, die der Eigentümer für sich selbst nutzt.
Oft sind sie überdies verpflichtet, ihre Rinder und Schafe auf den brachliegenden
Feldern des Grundherrn weiden zu lassen, damit der Dunk seine Erträge steigert.
Die Grundherren leben gut von der Arbeit der Landleute.
Sie residieren in Gutshäusern oder Burgen, geben üppige Bankette für Gäste,
während ihre Bauern darben.
In diese bäuerliche Welt der Armut und Ausbeutung fällt Prinz Eduard bei seiner
zweiten Chevauchée im Sommer 1356 erneut ein, zerstört auf seinem Weg durch
Zentralfrankreich zahlreiche Siedlungen.
Allerdings leiden Frankreichs Bauern nicht nur unter den regulären Truppen der Engländer.
In diesen Jahren beginnen auch unabhängige Soldatenverbände durchs Land zu streifen,
in der Regel ehemalige Söldner des englischen, zuweilen auch des französischen Königs,
die nach Ende eines Feldzugs nicht in ihre Heimat zurückkehren,
sondern sich zu Banden zusammenschließen.
Die Routiers, genannten Kämpfer von französisch Rout-Bande, setzen sich bald
in fast jedem Winkel Frankreichs fest, nehmen hunderte Burgen,
Gutshäuser und Klöster in Beschlag.
Von dort aus bringen sie viele Landstriche unter ihre Kontrolle,
darunter etliche, die bisher von Chevauchers verschont geblieben waren.
Und anders als die Soldaten des Schwarzen Prinzen ziehen die Routiers nicht
nach ein paar Stunden weiter. Sie quälen die Landleute für Monate, oft auch für Jahre.
Sie greifen sich Bauern auf dem Feld oder auf dem Weg zur Mühle,
verschleppen sie in ihre Stützpunkte und fordern von den Familien Lösegeld,
neben Münzen auch Waren wie Äxte, Eisen, Nägel und Sättel.
Wenn die Angehörigen den Mann nicht auslösen, erdrosseln ihn die Routiers oder foltern ihn zu Tode.
Auch wenn die Banden vom englischen König keinen Sold erhalten,
rauben und morden sie doch oft mit seinem Wissen und seiner Billigung.
Immerhin haben viele von ihnen in seinen Reihen gedient. Der König und Prinz
Edward kennen einige ihrer Anführer gut.
Und warum sollten die beiden die Kämpfer aufhalten? Helfen sie ihnen doch bei
ihrem Ziel, Frankreichs Landbewohner durch Gewalt und Ausplünderung zu zermürben.
Selbst mit Verstorbenen machen die Bandengeschäfte.
Sie verlangen Lösegeld für Leichen, vermutlich häufig die Körper der von ihnen ermordeten Geiseln.
Die Verwandten legen oft ihre letzten Münzen zusammen, denn ohne ein christliches
Begräbnis, so fürchten sie, wird der Tote keinen Frieden im Jenseits finden.
Um den Bauern gezielt Geld und Güte abzupressen, heuern sie in den Dörfern Informanten an.
Die Spitzel verraten ihnen, welcher Mann im Ort eine fette Milchkuh oder einen neuen Pflug besitzt.
Und wer im Boden seiner Hütte einen Topf mit Geld vergraben hat.
Die Bauern begegnen sich folglich mit Misstrauen. Wird einer der Denunzianten
enttarnt, rächen sich die Nachbarn manchmal fürchterlich, treten ihn mit den Füßen zu Tode.
Frauen müssen in den Gebieten der Banden jederzeit damit rechnen,
vergewaltigt zu werden.
Gelegentlich geschieht es vor den Augen der Ehegatten. Häufiger noch verschleppen
Routiers Frauen und junge Mädchen in ihre Stützpunkte, um sie dort zu missbrauchen.
Auch Jungen sind vor ihnen nicht sicher. Schon Neunjährige zwingen die Routiers
als Pagen für sie Dienst zu tun, machen sie faktisch zu Sklaven.
Oft leben die Kinder lange Zeit mit den Kriegern zusammen und verrohen dabei,
denn unentwegt bekommen sie mit, wie die Söldner foltern, töten,
vergewaltigen und werden wohl auch häufiger selbst von ihnen sexuell missbraucht.
Viele Bauern fliehen vor den andauernden Übergriffen, verbergen sich wochenlang
in Wäldern und Mooren, wo sie in hastig errichteten Hütten hausen.
Andere suchen in ummauerten Städten und Burgen Zuflucht, oft mit ihrem Vieh,
doch in den befestigten Orten drängen sich meist schon andere Geflüchtete,
sind Engel, Geschrei und Gestank oft kaum auszuhalten,
während draußen auf dem Land ganze Orte veröden, Weiden und Weinberge zuwuchern,
Handelsstraßen verweisen.
So sind Mitte des 14. Jahrhunderts in zahlreichen Gebieten Frankreichs Recht
und Ordnung erloschen, ist der Herrscher nicht in der Lage, seine Untertanen zu schützen.
Nicht vor der Gewalt der Routiers und auch nicht vor dem Terror des Schwarzen
Prinzen, der den Franzosen bald eine der größten Demütigungen ihrer bisherigen Geschichte bereitet.
Ende August 1356. Der Prinz zieht seit fast vier Wochen brandschatzend durch die Mitte Frankreichs.
Da erreicht ihn eine beunruhigende Nachricht. König Johann II.,
ein sturer, hartnäckiger Mann, steht mit einer großen Armee in Orléans.
Keine 80 Kilometer entfernt, fest entschlossen, den Raubzug des Prinzen dieses Mal zu stoppen.
Denn für den Monarchen ist die neue Chevauchée eine Provokation.
Eduard plündert im Kernland seiner Dynastie.
Und anders als im Jahr zuvor ist der König vorbereitet.
Von einer Ständeversammlung hat er sich Gelder bewilligen lassen und eine Armee ausgerüstet.
Er befähigt nun etwa 20.000 Mann, doppelt so viele wie der schwarze Prinz.
Der hofft angesichts der gegnerischen Übermacht auf Unterstützung durch eine
weitere englische Armee, die vor Wochen in der Normandie gelandet und schon auf dem Weg zu ihm ist.
Um sich schneller mit ihr zu vereinigen, zieht Eduard seinen Landsleuten entgegen,
gerät dabei aber gefährlich nah an die Franzosen.
An der Loire bei Tour wartet er daher angespannt auf die Ankunft der Unterstützer,
doch die sind noch immer weit entfernt.
Zugleich rückt der französische König heran.
Eduard beschließt, in die englisch kontrollierte Gasconi zu flüchten.
Doch das französische Heer folgt ihm und holt ihn nach wenigen Tagen ein,
auch weil Eduard seinen Rückzug für mehrere Stunden unterbrochen hatte,
um einen französischen Unterhändler zu empfangen.
Es ist Montag, der 19. September 1356, als sich bei Poitiers die beiden Heere gegenüberstehen.
Der sonst so hochmütige Prinz will bis zuletzt den Kampf gegen die zahlenmäßig
überlegenen Gegner vermeiden,
verspricht sogar sieben Jahre lang nicht mehr, die Waffen gegen die Franzosen
zu erheben, doch Johann lehnt ab.
Und so beginnt am Rand eines Waldes im Herzen Frankreichs die erste große Feldschlacht
der beiden Mächte seit zehn Jahren.
Die Engländer haben sich mit dem Rücken zum Gehölz postiert.
Vor ihnen liegt ein unwegsames Gelände, überwuchert von Hecken und Weinreben,
dahinter die Stellungen der Franzosen.
30.000 Soldaten stehen sich gegenüber, formiert für eine Schlacht,
die zu einem der furchtbarsten Gemetzel des hundertjährigen Krieges gerät.
Die Franzosen lassen zunächst eine kleine Truppe von Kavalleristen auf die englischen Stellungen los.
Sie sollen die gefürchteten Langbogenschützen auseinandertreiben,
die sich in den Hecken verschanzt haben.
Danach, so der Plan, wird eine große Zahl von Fußsoldaten vorstoßen und die
aufgescheuchten Schützen niedermachen.
Doch schon die erste Attacke scheitert. Die französischen Ritter haben zwar
für den Frontalangriff die Vorderseite ihrer Pferde mit Panzern bedeckt,
nicht aber deren restlichen Rumpf.
Die Engländer bemerken das, lassen eine kleine Einheit Bogenschützen seitlich
vorrücken und auf die Flanken der Tiere zielen.
Getroffen bäumen sich die Tiere auf, werfen ihre Reiter ab, treten sie oft zu Tode.
Andere Pferde sinken leblos zusammen, während der Kavalerist noch im Sattel sitzt.
Gestürzte und verletzte Irren benommen übers Schlachtfeld.
Wessen Ross verschont geblieben ist, versucht durch Lücken in den Hecken gegen
den Feind anzureiten, Doch im Gebüsch sitzen die englischen Bogenschützen,
feuern auf die Ritter und töten viele.
Die Fußsoldaten schlagen wild aufeinander ein, die Verletzungen sind fürchterlich.
Man sieht Soldaten mit aufgeschlitzten Bäuchen, die auf ihre eigenen Gedärme
treten, anderen werden Arme und Beine abgetrennt.
Die Franzosen sind bald so unter Druck, dass König Johann II.
Seine Söhne vom Kampfplatz führen lässt.
Eine an sich kluge Vorkehrung, um den Fortbestand der Dynastie zu schützen,
die aber katastrophale Folgen hat.
Denn viele seiner Soldaten verstehen den Rückzug der Königssöhne als Eingeständnis
der Niederlage und fliehen in großer Zahl vom Kampfplatz.
Johann II. aber bleibt auf dem Schlachtfeld. Inmitten seiner Leibgarde kämpft
er gegen die anstürmenden Engländer.
Er schlägt mit seiner Streitachst mehrere Gegner. Er wird selbst verletzt,
blutet aus dem Gesicht, verliert seinen Helm, hält aber weiter Stand.
Erst als der Träger der königlichen Standarte fällt, gibt er auf und lässt sich
ohne Widerstand festnehmen.
Es ist ein gewaltiger und völlig unerwarteter Sieg für Engelands Thronfolger,
den er vor allem der Disziplin seiner Truppen zu verdanken hat.
Schon seit vielen Wochen ziehen sie gemeinsam durchs Land, Eduard und die Kommandeure
kennen sich oft seit Jahren und sind aufeinander eingespielt,
während die meisten Anführer der neu aufgestellten französischen Armee bis zur
Schlacht bei Poitiers noch nie in dieser Zusammensetzung miteinander gekämpft hatten.
In einer feierlichen Prozession, begleitet von einer gewaltigen Menge an Schaulustigen,
zieht der Schwarze Prinz mit seinem königlichen Gefangenen Mitte Oktober in
Bordeaux ein, der Hauptstadt der Gascogne.
Vier Jahre lang wird Johann II. in Haft bleiben, allerdings unter komfortablen
Bedingungen, zunächst in der Gascogne, dann in London.
Die demütigende Niederlage wühlt die Franzosen auf.
Besonders die Bauern sind empört über die Unfähigkeit der Adeligen,
die sich selbst als Elite Frankreich sehen und doch den Engländern weder auf
dem Schlachtfeld von Poitiers noch bei den Chevauchees Einhalt geboten haben.
König Johann II. dagegen nehmen sie von ihrem Zorn aus. Sein Verhalten bei der
Schlacht gilt ihnen als edel und tapfer.
Genau wie der schwarze Prinz und sein Vater wollten, haben ihre Terrorfeldzüge
den Franzosen vorgeführt, dass der Adel das Volk nicht schützen kann.
Und nun wenden sich die Bauern gegen die Oberen.
Im Frühjahr 1358 erheben sich im gesamten Norden Frankreichs mehrere tausend
Landleute, greifen mit Knüppeln und Hacken Ritter an, plündern,
Getreidespeicher setzen, Burgen und Schlösser in Brand.
Zwar gelingt es den Herrschenden nach zwei Wochen den Aufstand niederzuschlagen,
doch die Schwäche Frankreichs ist so offensichtlich wie kaum jemals zuvor.
Auch deswegen kann Englands König 1360 einen für ihn günstigen Friedensvertrag aushandeln.
Zwar verzichtet er darin, nicht zum ersten Mal seit Beginn der Feindseligkeiten,
auf den französischen Thron,
erhält dafür aber gewaltige Gebiete, darunter ganz Aquitanien und damit einen
großen Teil Süd- und Westfrankreichs.
Und vor allem gelten diese Territorien nicht mehr als Lehen,
sondern als Besitz des englischen Monarchen, der deshalb dort auch offiziell
Herrscher seiner Wahl einsetzen kann.
Zum Fürsten von Aquitanien ernennt er seinen Sohn.
Der führt dort einige Jahre mit Frau und Kindern ein Hofleben von verschwenderischem
Glanz und herrscht faktisch wie ein König.
Doch der Kronprinz wird nie die Würde eines Monarchen erlangen.
Bei einem Feldzug in Spanien steckt er sich mit der Ruhe an,
von der er sich nicht mehr erholt.
1376 stirbt Eduard von Woodstock, Fürst von Aquitanien, im Alter von 45 Jahren.
Der schwarze Prinz, der im Laufe seines Lebens Tod und Verderben über Zehntausende
Wehrlose gebracht, Landstriche verwüstet und dabei zerstört hat,
was Menschen über Generationen aufgebaut haben,
wird feierlich in der Kathedrale von Canterbury beigesetzt.
In England verehren ihn die Zeitgenossen als Helden.
Wenige Jahre nach seinem Tod rühmt ein Dichter aus seinem engsten Umfeld den Königssohn als,
tapfersten Prinzen in der ganzen Welt, der an nichts dachte als an edle Taten. und Güte.
Das war Peter Kämpfe mit einer Geschichte aus der Geo-Epoche-Ausgabe der 100-jährige Krieg.
Johannes, schön, dass du noch da bist. Ich habe noch ein paar Fragen.
Sehr gerne. Der Schwarze Prinz ist tot und er wird posthum in seiner englischen
Heimat zynischerweise zum tapferen Helden erklärt.
Denn die Feindschaft zwischen England und Frankreich ist ja nicht beendet.
Der 100-jährige Krieg, der ist noch lange nicht vorüber und das können wir hier
natürlich nicht so in der Luft hängen lassen.
Wie geht es weiter in diesem Konflikt? Also der Schwarze Prinz wird wahrscheinlich
auch zum Helden verklärt, weil mit ihm mit die beste Phase für die Engländer
im 100-jährigen Krieg stattfindet. Wir haben es gehört, er eilt von Sieg zu Sieg.
Es geht auch erstmal so weiter und im frühen 15.
Jahrhundert besetzen die Engländer sogar jahrelang Paris.
Also sie haben dann große Teile Frankreichs unter ihrer Kontrolle zeitweise.
Aber dann kommt so 1429 die Kriegswende, nicht zuletzt wegen einer gewissen
Jean d'Arc, in Deutschland auch als Johanna von Orléans bekannt.
Und fortan können die Franzosen die Engländer dann immer weiter zurückdrängen.
Es wird für England auch zunehmend zu einem finanziellen Problem dieser Krieg,
also ständig diese Invasionsheere auszurüsten, um auf dem Kontinent weiter zu kämpfen.
Also England zunehmend auf dem Rückzug und schließlich kommt es dann 1453 zur
letzten großen Schlacht des Krieges, der Schlacht bei Crecy.
Das letzte Aufbäumen sozusagen. Das ist so, genau. Das letzte Aufbäumen,
der letzte Versuch der Engländer doch den Fuß drin zu halten auf dem Kontinent.
Aber die Engländer erleiden eine verheerende Niederlage und diese Niederlage
bedeutet gleichzeitig das Ende des Hundertjährigen Kriegs de facto.
Wird nie offiziell besiegelt, aber es ist so.
Also nach fast 400 Jahren, 400 Jahre nach 1066 sind die Engländer bis auf einen
Stützpunkt in Calais vom Kontinent vertrieben.
Das ist natürlich dramatisch für England. Der englische Herrscher Heinrich VI.
Erleidet in London einen Nervenzusammenbruch und sinkt in eine Art Geisteskrankheit.
Und in England bricht dann bald der sehr bekannte Kampf der Häuser York und
Lancaster um die englische Krone aus.
Die Rosenkriege. Ein Konflikt, der dann die Rosenkriege genannt wird, der das Land,
in jahrzehntelange Auseinandersetzungen und Chaos stürzt und so das für England,
für London an eine Fortsetzung des Konflikts mit Frankreich gar nicht zu denken
ist. Ja, Frankreich, gutes Stichwort.
Was bedeutet der Sieg für Frankreich? Das triumphiert ja am Ende.
Ja, Frankreich ist der Triumphator. Also während England erstmal so ein bisschen
zerfällt, ist Frankreich geeint wie nie.
Der Monarch ist der unbestrittene Machthaber und auch der oberste Heerführer
im Land. Er hat eine mittlerweile recht effiziente zentrale Verwaltung und ein
straffes Steuersystem.
Und so ist der Hundertjährige Krieg und der Sieg im Hundertjährigen Krieg für
Frankreich die Voraussetzung zur Hegemonialmacht in Europa aufzusteigen.
Was sich auch noch am Hundertjährigen Krieg zeigt, wenn wir über die Folgen
sprechen dieses Konflikts, ist so ein grundsätzlicher Epochenwandel.
Und das ist ja nochmal ein ganzes Fass, was du da jetzt aufmachst.
Ganz kurz, inwiefern das?
Das machen wir kurz auf. Also der Krieg hat das Selbstverständnis der beiden
Gegner sehr stark verändert.
Je länger die Kämpfe andauerten, desto stärker wuchs bei den meisten Franzosen
so der Unmut gegen die englische Fremdherrschaft, also ein bisschen Nationalbewusstsein,
ihr Hass auf diese marodierenden englischen Heere, unter anderem mit dem Schwarzen Prinzen.
Desto weniger auch sahen wiederum die Engländer einen Sinn da drin,
diesen Krieg auf dem Kontinent zu führen, der ihre Staatskasse ruiniert.
Also man kann eigentlich sagen, dass aus diesem Ringen, das als Konflikt zweier
mittelalterlicher Lehnsverbände eigentlich begonnen hat, dann am Ende
ein Konflikt zweier Reiche geworden ist, die sich auch irgendwie anschicken,
auf dem Weg dazu sind, Nationen zu werden.
Also als es losging 1337, ging es halt.
Noch um persönliche Loyalitäten, um Lehnsverbände, auch um Ritter.
Wie den Schwarzen Prinzen, die haben noch eine ganz große Rolle gespielt und
das ist danach eben nicht mehr so, da sind es zwei konkurrierende Reiche und
diese Zeit der Ritter geht eigentlich so ein bisschen vorbei im Laufe des Hundertjährigen Kriegs.
Das ist ein gutes Stichwort. Ich kann glaube ich schon mal verraten,
dass wir uns den Rittern, dem mittelalterlichen Rittertum ausführlich in einer
neuen sechsteiligen Podcast-Serie widmen werden.
Das dauert noch ein bisschen. Wir sind dran, aber im Herbst könnt ihr dann mit
uns mit Geo-Epoche abtauchen in die Zeit und Welt der Ritter und dann kommt
auch der hundertjährige Krieg nochmal ins Spiel.
Danke, dass du da warst, Johannes. Danke, Spaß. Jetzt machen wir hier einen Punkt.
Noch ein paar Hinweise. Die neuen Folgen von Verbrechen der Vergangenheit,
die könnt ihr wie bei RTL Plus auf geoepocheplus. Immer zwei Wochen eher hören als anderswo.
Und natürlich halten wir dort auch alle unsere anderen Audioinhalte und überhaupt
alles, was geoepoche jemals herausgegeben hat, für euch bereit.
Schaut gerne mal vorbei auf geo-epoche.de.
Ansonsten freuen wir uns wie immer, wenn ihr uns an verbrechendervergangenheit.geo.de
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diesen Podcast in euren Apps abonniert und freundlich bewertet.
In zwei Wochen gibt es hier die nächste Folge.
Macht's gut bis dahin. Tschüss. Tschüss.